Pflanzenbrevier
 
 

Galgant

GALANGAE RHIZOMA

 

 

 

 

 

 

"DAS PFLANZLICHE NITROGLYCERIN"


Eine Pflanze, die bei Hildegard von Bingen einen besonders hohen Stellenwert hatte, ist die Galgantwurzel. In ihrer Literatur schreibt sie: "Der Galgant ist ganz warm und hat keine Kälte in sich und ist heilkräftig. Ein Mensch, der hitziges Fieber in sich hat, pulverisiere Galgant und trinke dieses Pulver in Quellwasser und er wird das hitzige Fieber löschen. Und wer im Rücken oder in der Seite wegen üblen Säften Schmerzen hat, der siede Galgant in Wein und trinke ihn oft und warm und der Schmerz wird aufhören. Und wer Herzweh hat und wer im Herzen schwach ist, der esse genügend Galgant und es wird ihm besser gehen".
Verblüffend an diesen Ratschlägen ist, dass die Galgantwurzel zu Hildegards Zeiten fast unbekannt war und nur schwer besorgt werden konnte. Die Pflanze, die aus Südchina stammt, blieb der Naturheilkunde der späteren Jahrhunderte vorbehalten. Heutzutage ist sie in der modernen Hildegard-Medizin eine grosse Autorität und erfreut sich insbesondere bei Herzkranken grosser Beliebtheit.


BOTANISCHE MERKMALE
WURZEL: zirka 1m langer, waagrecht kriechender, knorriger, ca 2cm dicker Wurzelstock, der mit zahlreichen hellbraunen Schuppen besetzt ist. Nach dem Abfallen hinterlassen sie weissliche Narben.
BLATT: aus dem Wurzelstock entspringen bis zu 40 Stengel, die 60-120cm gross sind. Die daran wachsenden Blätter sind ca 30cm lang, von lineallanzettlicher Gestalt und ganzrandig. Sie sind zweiteilig und sitzen am Stengel in Scheiden.
BLUETE: 10cm lange, endständige Blütentraube mit weissen Blüten.
FRUCHT: kugelige, erbsengrosse Kapsel mit 3 dunkelbraunen Samen mit einem unangenehmen, bitteren Geschmack.
SAMMELTIPS
Die Heimat des Galgants ist die Südküste der chinesischen Insel Hainan und der Halbinsel Leitschou. Die Wurzel wird aber auch in Thailand, Indien, Japan und auf den Antillen kultiviert. In den Kulturen werden im Frühherbst die etwa 10 jährigen Galgantwurzelstücke gegraben, sauber gewaschen, in 5-6cm grosse Stücke geschnitten und an der Luft sorgfältig getrocknet.

WIRKSTOFFE
*ätherisches Öl (Sesquiterpene, Cineol, Eugenol)
*Harze (Galngol, Alpinol)
*Bioflavonoide (Quercetin, Galangin,Alpinin)
*Tannin, Fett

WIRKUNG
magenstärkend, erwärmend, entblähend, verdauungsfördernd, krampflösend, entzündungshemmend, durchblutend, herzstärkend und vitalisierend.


VERWENDUNG
Der Tee als Aufguss der Galgantwurzeln wird bei verdorbenem Magen, Appetitstörungen, krampfhaften Magenschmerzen, mangelnder Fermentproduktion im Magen-Darm-Trakt, träger Gallensekretion, chronischer Übelkeit, Mundgeruch, Abmagerung ohne erkenntlicher Ursache, Neigung zu Blutarmut, Seekrankheit und Menstruationsstörungen blutarmer Mädchen und Frauen empfohlen.
Galgant ist auch als Tinktur, die man selber herstellen kann, verwendbar und zwar nach gleicher Heilanzeige wie der Tee.
Bei Hildegard steht geschrieben:
"Wer im Herzen Schmerzen erleidet und wem von seiten des Herzens ein Schwächeanfall droht, der esse sogleich eine hinreichende Menge Galgant und es wird ihm besser gehen".
Die Wurzel ist ein Linderungsmittel, hilft schnell, heilt aber die Krankheit nicht auf die Dauer. Nach der Einnahme tritt eine Entspannung und Beruhigung ein, insbesondere wenn die Störungen mit Angina pectoris, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefässe, gastrokardiale Herzschmerzen (Roemheld'sches Syndrom) oder Erschöpfungs- und Schwächezustände in Zusammenhang stehen. Galgant verbessert die Blutfliesseingenschaften, weil es eine Verklumpung der Blutplättchen verhindert. Dadurch kann das Blut besser fliessen und die gefürchtete Bildung von Thrombosen vermieden werden. Davon profitieren besonders Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder solche die gefährdet sind oder zu Emboliebildung neigen. Galgant ist so zuverlässig, dass die Wurzel in keiner Westentasche wie auch in der Hausapotheke fehlen sollte. In kritischen Situationen bei Schwächezuständen und Herzbeschwerden oder Ohnmachtsneigung ist die Wurzel ein wahrer Nothelfer. Bei Herzattacken mit quälendem Schmerz sollte jedoch nach der Einnahme von Galgant sofort ein Arzt benachrichtigt werden, da es sich um einen Herzinfarkt handeln könnte, der klinisch betreut werden muss.
Am häufigsten ist die Anwendung von Galgant-Tabletten geläufig, die in Drogerien und Apotheken erhältlich sind. Sie eignen sich in der Behandlung von Angina pectoris-Zuständen mit Herzenge, in der Nachbehandlung eines erlittenen Herzinfarktes , zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt, bei Neigung zu Thrombosen, ferner bei Herzschmerzen, Durchblutungsstörungen, Schwindel, Ohrensausen, Erschöpfung, Schwächezuständen, Ohnmachtsanfällen, Roemheld'schen Syndrom, verdorbenem Magen, krampfhaften Magenschmerzen, Blähungen, Gürtelrose sowie im Erkältungs- und Grippestadium.


Gebrauchsanweisung:
Bei Bedarf lässt man alle 15 Minuten 1-2 Galgant-Tabletten auf der Zunge zergehen, bis eine Besserung der Beschwerden eintritt. Aufgrund der Mundresorption entsteht ein sogenannter "Zungen-Herz-Reflex", wie er auch bei Nitroglycerin-Kapseln zu verzeichnen ist. Dadurch lösen sich Herzschmerzen, Herzschwächen oder Herzkrämpfe meistens innerhalb von 10 Minuten, wobei sich der Patient wieder wohler fühlt. In beschwerdefreien Tagen kann die Tablette als Vorsorge eingenommen werden, indem man 1-2 Tabletten 3mal täglich vor dem Essen im Munde zerkaut.
Galgant ist scharf, schärfer als Paprika, sein hoher Gehalt an ätherischen Oelen verhindert auf diese einfache Weise Missbrauch oder Überdosierung.

Foto: Bruno Vonarburg

 

 

 

 
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