Pflanzenbrevier
 
 

Kartoffel

"DAS GESUNDE KRAFTPAKET"

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohl kaum eine andere Kulturpflanze kann auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie die Kartoffel. Den Indianern der Zentralanden gelang es vor 8000 Jahren sogar den Kartoffelanbau oberhalb der Maisgrenze von etwa 3000 bis 4000 Meter über Meer auszudehnen. Neben dem Mais waren Kartoffeln die wichtigste Nahrungsgrundlage zum Ueberleben.

Doch erst im 16. Jahrhundert brachten spanische Seefahrer die Erdknollen aus den Anden Südamerikas nach Europa, wo sie anfänglich nur als Zierpflanze verwendet wurden. Durch Freibeuter gelangten die Erdäpfel nach England und Irland. Jedoch nur die Iren pflanzten Kartoffeln als Lebensmittel an, weil die Knollen unter dem Boden wuchsen und daher die Ernte nicht steuerpflichtig war. Bei uns auf dem Festland musste der Preussenkönig Friedrich der Grosse die Bauern zwingen Kartoffeln anzubauen. Dies und auch die schweren Hungersnöte infolge Getreidemissernten und Kriegen bewogen schliesslich die Bevölkerung, die fremdländischen Knollen zu essen. Doch anfangs klagten sie über Magenbeschwerden, Bauchweh, Übelkeit und Durchfall, weil sie die Kartoffeln roh verzehrten und sich mit Solanin vergifteten.

 

BOTANISCHE MERKMALE

WURZEL: im Frühling wird die sog. Mutterknolle, eine schon gereifte und geerntete Kartoffel, eingepflanzt aus der die neuen Kartoffelpflanzen entstehen. Sie bildet unterhalb der Erde Laubsprossen, die zu unterirdischen Ausläufern auswachsen. Die Ausläufer sind keine Wurzeln, sondern Stengel- oder Sprossteile, aus deren verdickten Enden sich neue Kartoffeln bilden.

BLATT: auf einem aufrechten und ästigen Stengel wachsen fiederteilige Blätter, welche sich als kleine und grosse Blätter abwechseln.

BLÜTE: weiss oder violett, stehen in Wickeln, sind fünffilzig und haben eine radförmige Krone.

BLÜTEZEIT: Juni bis September

FRUCHT: die grünen Beeren bilden sich nach der Bestäubung des Fruchtknotens. Diese Beeren enthalten das starke Gift Solanin. Innerhalb der Beere befinden sich viele kleine Samen.

 

SAMMELTIPS

Als meistverkaufte Speisekartoffel ist die Bintje aufgrund ihrer vielseitigen Verwendung und guter Lagerfähigkeit sehr beliebt. Doch ausgerechnet diese Kartoffelsorte ist gegenüber Kraut- und Knollenfäule sehr anfällig und muss deshalb mit Pflanzenschutzmitteln intensiv behandelt werden. Als  idealer Bintje-Ersatz gilt die neue Sorte "Mathilda", die gleichzeitig auch zu den besten Lagerkartoffeln zählt.Weltweit werden mehrere hundert verschiedene Sorten angebaut, davon deren 20 in der Schweiz. Je nach Stärkegehalt unterteilt man die Kartoffel in Kochtypen A, B oder C. Je höher der Stärkeanteil bzw. die Kochtype, desto mehliger ist die Kartoffel. Solche stärkereichen Kartoffeln vom Kochtyp A mit niedrigem Stärkeanteil sind ideal für Salate oder "Gschwelti".

Frühkartoffeln sind spezielle Sorten mit einer kurzen Reifezeit von 90 Tagen. Ihr Stärkegehalt ist wesentlich niedriger als bei Spätsorten und sind für die Lagerhaltung nicht geeignet. Normalerweise haben die Kartoffeln eine Reifezeit von 120-150 Tagen.

Ein guter Aufbewahrungsort für Lagerkartoffeln muss dunkel, luftig und kühl sein (etwa +4 bis 8 C). Eine genügend hohe Luftfeuchtigkeit von 95% verhindert das Schrumpfigwerden der Knollen. Zum Abdecken eignen sich Säcke oder Tücher, denn Licht fördert die Grünfärbung. Dabei bildet die Kartoffel Solanin, welcher in grösseren Mengen zu Erbrechen, Durchfall oder Kopfschmerzen führt.

Besonders solaninreich sind die Triebe, welche man deshalb immer grosszügig wegschneiden muss. Haben Sie gewusst, dass Aepfel die Kartoffeln schneller auskeimen lassen?? Verantwortlich ist dafür das natürliche Aethylengas, das nachreifende Äpfel abgeben. Lagern Sie also ihre Kartoffeln nicht direkt neben den Äpfeln.

 

WIRKSTOFFE

* Wassergehalt 80%

* Stärke (14-18%), Ballaststoffe

* Vitamine B-Komplex, C

* Mineralstoffe und Spurenelemente (K, Mg, Mn, Ph, Cu, Fe, Fl, J)

* Solanin (im rohen Kartoffel).

 

VERWENDUNG

In alten Büchern werden Kartoffeln in roher oder getrockneter Form bei verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Kartoffelbrei und Kartoffelsuppen verordnete man damals Patienten mit Magenproblemen oder Verstopfung als Schonkost. Wer unter Appetitstörungen, Sodbrennen, säuerlichem Aufstossen, Magendrücken und -krämpfen leidet oder sogar zu Magengeschwüren

neigt, sollte es einmal mit rohem kartoffelsaft aus biologischem Anbau versuchen. Die positive Wirkung wird einem atropinähnlichen Stoff in der Kartoffel nachgesagt, wobei auch Schleimstoffe, Vitamin C, gewisse Mineralstoffe und eventuell sogar Solanin in geringer Konzentration heilungsfördernd wirken. Für die Kur trinkt man mindestens während 3 Wochen täglich vor dem Essen

1/2 dl rohen Kartoffelsaft. Langsam steigert man diese Menge bis zu 1 dl. Bereits nach 2 Tagen trifft eine Besserung des Allgemeinbefindens ein. Nach etwa 2 Wochen ist der Heilungsprozess soweit fortgeschritten, dass sich der Säuregehalt des Magensafts normalisiert.

Die Zubereitungsmöglichkeiten der Kartoffeln sind fast unbegrenzt. Kartoffeln sind keine langweilige Beilage - im Gegenteil. Kein anderes Gemüse lässt sich so vielseitig und abwechslungsreich zubereiten.

Die Kartoffeln sind mit ihrem Wassergehalt von fast 80% auch kein Dickmacher. Der Fettanteil beträgt nur gerade 0,2%, Bekannt ist die Kartoffeldiät, mit der man ohne weitere abnehmen kann, ohne zu hungern. Dank des hohen Ballaststoffanteils sättigen Kartoffelgerichte lange und gut, so dass erst gar keine Hungergefühle aufkommen.

 

 

Foto: Bruno Vonarburg

 

 

 

 

 
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